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Samstag, 17.03.2018, Eine geologisch-kulturlandschaftliche Filmpremiere im RiesKraterMuseum (RKM) in Nördlingen

Thema: Spuren im Stein - Das Nördlinger Ries

Im Rahmen der Sendereihe „Spuren im Stein“ des SWR wird das Nördlinger Ries von neuen Seiten gezeigt; und dabei sind nicht nur außergewöhnliche Filmperspektiven, neue Zusammenhänge zwischen Geologie, Natur und Kultur oder fantastische Animationen zur Entstehung des Rieses gemeint. Dem Team um Sven Plöger, Lena Ganschow (beide aus diversen Sendeformaten bekannt) und Dr. Dirk Neumann gelingt es, die Zusammenhänge zwischen Geologie und Flora bzw. Fauna, Geologie und Einwohner bis hin zur eleganten Verflechtung geologischer Kostbarkeiten (Diamant und Moldavit) zu ornithologischen (Wiesenweihe) und entomologischen Schätzen (Schwarze Mörtelbiene) unserer abwechslungsreichen Landschaft aufzuzeigen.


Foto: SWR-Format Spuren im Stein im RiesKraterMuseum


Doch der Reihe nach: Am Abend des 17. März 2018 fand im RiesKraterMuseum in Nördlingen um 17:30 Uhr eine ganz besondere Filmpremiere statt. Das Sendeformat „Spuren im Stein“ hebt einzelne Regionen in Deutschland hervor und stellt diese in einen geologischen Kontext zu Mensch und Natur der jeweiligen Region. Dieses Mal war also das Nördlinger Ries an der Reihe. Als Dank für die sehr gute Unterstützung der Dreharbeiten durch das RiesKraterMuseum, dem Geopark Ries, der Stadt Nördlingen und dem Landkreis sowie seiner Einwohner präsentierte der Regisseur Dirk Neumann noch vor der offiziellen Ausstrahlung im SWR-Fernsehen den Dokumentationsfilm „Spuren im Stein - Das Nördlinger Ries“ als Vorab-Premiere im RiesKraterMuseum.

Nach einigen einleitenden Worten durch den amtierenden Oberbürgermeister Hermann Faul und dem Leiter des RiesKraterMuseums Prof. Stefan Hölzl sagte der Regisseur Dr. Dirk Neumann einige Worte zu den Drehorten und den Menschen, welche er im Ries kennengelernt hat. Dann begann der eigentliche 90-minütige Dokumentarfilm.


Fotoreihe unten links: Oberbürgermeister Hermann Faul; mittig: Museumsleiter Prof. Stefan Hölzl; rechts: Regisseur Dr. Dirk Neumann



Der durchweg spannend, informativ und aufwändig gedrehte Film zeigt selbst für Fachleute und Einheimische neue Zusammenhänge und faszinierende Einblicke in die Geologie und Natur unserer Heimat. Mit Hilfe von atemberaubenden Luftaufnahmen, welche meist durch Drohnen erfolgten, aber auch mittels Zeitlupen- oder Zeitrafferaufnahmen mit ganz ungewöhnlichen Perspektiven und Computeranimationen, werden komplexe Sachverhalte anschaulich dargestellt. Es ist ein ganz neuer Blick auf den Meteoritenkrater Nördlinger Ries und seinen kleinen Bruder, das Steinheimer Becken, als Ganzes.

Warum gedeiht Getreide im Ries besonders gut? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem FC Bayern und dem Nördlinger Ries, abgesehen von Gerd Müller? Was hat es mit dem Schwabenstein auf sich und welche Rolle spielte er bei den Mondlandungen? Und welche Verbindung hat der Gin "Krater Noster" aus Alerheim mit dem Suevit? Warum gibt es Diamanten und seltene Tierarten ausgerechnet hier? Wann kamen die Menschen ins Ries und was hat es mit den Schädelnestern der Ofnethöhlen auf sich? Warum ist Wemding Fuchsienstadt und wie beeinflusste eine starke und standhafte Frau in Nördlingen die Hexenverfolgungen des ausgehenden Mittelalters? Und wie kam es, dass das Nördlinger Ries heute eine moderne landwirtschaftliche und industrielle Region inmitten von Natur und Geschichte geworden ist? Dies sind viele Fragen, deren Antworten die Filmdokumentation ohne Langeweile und Anstrengung gibt, ja zwanglos begreifbar macht.


Fotoreihe unten links: Teil des SWR-Filmteams stand Rede und Antwort (links nach rechts: Sven Plöger (Moderation und Spurensucher), Frank Schreiber (Musik), Dr. Dirk Neumann (Regisseur und Autor), Ben Kaiser (Schnitt)); mittig: "Geopark Ries kulinarisch" im RiesKraterMuseum; rechts: Prof. Elmar P.J. Heizmann, einer der mitwirkenden Wissenschaftler im Film




Ausklang mit „Geopark Ries kulinarisch“: Uli Großmann und Sandra Appl haben zusammen mit ihrem Team einige regionale Spezialitäten den Abendgästen vorgestellt. So hat nicht nur der neue Dokumentarfilm das Ries virtuell präsentiert, sondern die einheimische Rieser Küche, mit ihrer ebenfalls einzigartigen Identität, das Abendevent würdig abgerundet. Ein Abend für Körper, Seele und Geist.







Foto: Uli Großmann und Sandra Appl kündigen den zweiten Teil des Abends an.





Spuren im Stein - Das Nördlinger Ries: Ein Film der als „unbedingt sehenswert“ zu empfehlen ist.


Der Filmstart ist für den Sonntag, 8. April 2018 um 20:15 Uhr im SWR-Fernsehen angekündigt.




Weitere Infos mit Trailer können hier direkt beim SWR entnommen werden.
Hier wird nach der Erstausstrahlung der ganze Film als Podcast zu finden sein.





Zu dem Abend der Vorab-Premiere "Spuren im Stein - Das Nördlinger Ries" mit der Ankündigung im SWR-Fernsehen berichteten beispielsweise die WochenZeitung Nördlingen (21.03.2018, Nr. 12), die Rieser Nachrichten (22.03.2018, Nr. 68) bzw. die Donauwörther Zeitung (24.03.2018, Nr. 70).






Foto: Kollage diverser Zeitungsberichte


Donnerstag, 14.12.2017, 19:00 Uhr, Vortrag von Prof. Dr. Gernot Arp im RiesKraterMuseum (RKM) in Nördlingen
Thema: Der Ries-See: neueste Forschungsergebnisse

Prolog: Das Nördlinger Ries ist nicht nur ein Impaktkrater mit einer komplexen Kraterhohlform mit rund 25 km Durchmesser, sondern war über lange Zeit hinweg ein Kratersee. Die Bevölkerung vermutete schon lange, dass das Ries ehemals ein See war. So schreibt Schäfer (1834), dass einer alten Sage zufolge das gesamte Becken des Rieses vor Jahrtausenden ein „großer See gewesen sey“ und an dessen Ufer und Felsen die Fischer an eisernen Ringen ihre Boote angelegt haben. Etwa zur gleichen Zeit malten Weng und Guth (1837) das Bild eines Süßwassersees, an dessen Ufern vulkanische Eruptionen stattfanden und dessen Verschwinden durch den „gewaltsamen Durchbruch des Sees bei Harburg“ erfolgt sei.
Die beiden Autoren stellen in diesem Band die von Dr. Rehlen geschriebenen melancholischen Verse „Sage vom See“ erstmals vor. In den ersten beiden Strophen heißt es:

Es wall’t in weiten Bogen,
Von düstern Höhen ringsumbaut,
Fernhin ein See in dunkeln Wogen,
Von schwarzen Wäldern nachtumgraut.

Und weithin ist sein finstrer Spiegel
Vom Bild des Himmels trüb gefüllt;
Es sind die Wasser, sind die Hügel
Von feuchten Nebeln dicht umhüllt.
...








Fotos: Das herbstliche Echo des längst vergangenen Ries-Sees. Teile des inneren Ringwalls erheben sich wie Inseln aus dem Nebel. Blick vom Riesrand (Riegelberg-Höhenrücken) in Richtung Adlersberg und Marienhöhe bei Nördlingen (2014).




Gegenüber diesen frühen Interpretationen der Seegeschichte sind heute weit mehr Details über den ehemaligen See im Ries bekannt. So wird mittlerweile davon ausgegangen, dass der abflusslose See eine Maximalfläche von rund 400 Quadratkilometern hatte und über eine Zeitspanne von 300 000 bis vielleicht 2.5 Millionen Jahren bestand. Zur Zeit des Ries-Sees siedelten Pflanzen (z. B. Schilf, Laubbäume, Kiefern) auf einer ringförmig angeordneten Inselkette, welche die Hügelkette des inneren Ringwalls repräsentiert. Im lichtdurchfluteten Flachwasser- und Uferrandbereich wurden fossilreiche Riessee-Kalke abgelagert, in denen Schnecken, Muschelkrebse, Insekten (z. B. Libellenlarven, Fliegen und Fliegenlarven, Tausendfüßler), aber auch höhere Wirbeltiere wie die Reste von Fischen, Schildkröten, Igel, Hasen, Hamster, Fledermäuse oder Vögeln (z. B. Flamingo, Pelikan, Papagei). Die im Nördlinger Ries herhalten gebliebene Vogelfauna (Eier, Federn, Knochen) gilt als die am besten erhalten gebliebene Vogelfauna des Miozän weltweit.


Foto: Versteinertes Vogelei aus den Ablagerungen des Ries-Sees (Altfund vom Goldberg bei Pflaumloch), Maßstab: 2 cm



Gegen Ende des Miozäns, also vor 5 bis 6 Millionen Jahren, war der Meteoritenkrater völlig mit Sedimenten aufgefüllt und somit nicht mehr sichtbar. Das Nördlinger Ries war aus der damaligen Landschaft verschwunden.

Die Hügelkette des inneren Ringwalls sowie die ringsum zur Riesebene abfallenden Kraterhänge werden von hellen, porösen und teilweise geschichteten Kalken überlagert. Der eigentliche Kraterboden ist von einer z. T. über 300 m mächtigen Sedimentschicht aus Tonen und Mergeln bedeckt. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren diese fein bis feinst geschichteten Ablagerungen, die auch den weitaus größten Anteil der Riessee-Sedimente ausmachen, gänzlich unerforscht. Erst mit den ersten Tiefbohrungen, wie beispielsweise die 1973 / 1974 ausgeführte Forschungsbohrung „Nördlingen 1973“, wurden auch die mächtigen Ton- und Mergelschichten erstmals genauer untersucht.

Und um diese Schichten ging es unter anderem bei dem spannenden und anspruchsvollen Vortrag mit dem Schwerpunkttema:


Neue Forschungen an den Sedimenten des Ries-Sees

Bis in unsere Gegenwart sind die Ablagerungen des Ries-Sees Gegenstand intensiver Forschungen. Darüber berichtete Prof. Dr. Gernot Arp am Abend des 13.12.2017 im RiesKraterMuseum in Nördlingen. Neue bzw. weiterentwickelte Untersuchungsmethoden wie chemische und biogeochemische Messmethoden, Biomarker oder Isotopenuntersuchungen (z. B. Strontium-, Kohlenstoff oder Sauerstoffisotope) eröffneten in den letzten Jahren Horizonte, von denen die Wissenschaftler des 19ten und frühen 20sten nur träumen konnten. Mit diesen Methoden wurden einerseits Aufschlüsse und ältere Tiefbohrungen, wie beispielsweise die bereits erwähnte Forschungsbohrung „Nördlingen 1973“, aber auch ganz neu hinzugekommene Bohrprofile von Erdölbohrungen, Erdwärmesonden- und Erkundungsbohrungen sowie neue Forschungsbohrungen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) wissenschaftlich untersucht.

Foto: Prof. Dr. Gernot Arp (Universität Göttingen, Geobiologie) im RiesKraterMuseum


Durch diese Vorarbeiten konnte die Forschergruppe um Prof. Gernot Arp ein detailliertes, ganz neues Modell zur Entwicklung des Kratersees entwickelt werden. So zeigte sich, dass der See von drei verschiedenen Wässern gespeist wurde: a) Grundwasser aus dem kristallinen Grundgebirge, b) Oberflächenwasser aus der Bunten Breccie und c) Karstwasser aus dem Jurakalk. Wird nun beispielsweise die zeitliche Entwicklung der Strontiumisotropie zugrunde gelegt, so ist ein deutliches Verwitterungsmuster der vom Meteorit ausgeworfenen Gesteine erkennbar, welche wiederum unmittelbare Folgen für den Chemismus des Seewassers hatte. Wird das Impaktgestein (Suevit, Jura-, Keuper- oder Kristallingesteine der Bunten Trümmermassen) verwittert, dient es automatisch als Ionenquelle für das Seewasser. Zu Beginn waren es eher Suevit- und Kristallingesteine, in der Spätphase waren es hauptsächlich Jurakalke. Mit dem Wechsel der Ionenquelle wechselte auch die chemische Signatur des Seewassers. So war der Ries-See zeitweise nicht nur ein Süßwassersee, sondern auch ein Sodasee, ein Natronsee bzw. auch ein echter Salzsee mit fast mariner Zusammensetzung. Die Forschungen der Arbeitsgruppe um Prof. Arp zeigten, dass es für die jeweiligen verschiedenen Entwicklungsphasen des Ries-Sees sich noch heute vergleichbare Seen mit ähnlichen geochemischen Bedingungen finden lassen. So spiegeln der Mono Lake (Kalifornien), der Satonda Kratersee (Indonesien), der Great Salt Lake (Utah) oder der Ohrid-See (Albanien / Mazedonien) einzelne vergangene Seephasen wider. Die Messergebnisse zeigen, dass das Seewasser in seiner Salinität schrittweise angestiegen ist (mesosalinarer Sodasee zu einem hypersalinarem Steinsalzsee) und diese Veränderung mit der Abtragungsgeschichte der Auswurfmassen (Suevit- und Kristallingesteine zu Weißjurakalke) einhergeht.


Neben der geochemischen Entwicklung des Ries-Sees gelang der Forschergruppe um Prof. Arp eine erste zeitliche Korrelation der mächtigen und eintönigen, schüsselförmig abgelagerten Beckensedimente mit den fossilreichen Kalken des inneren Ringwalls bzw. des Riesrandes. Diese Beckenrand-Beckenzentrum-Korrelation gelang bisher noch nicht, ja galt als praktisch unmöglich.
Die neu hinzugekommenen Bohrungen „Enkingen (SUBO 18)“, „Erbisberg 2011“, „Baldingen 2012“, „Löpsingen 2012“ und „Breitenlohe 2015“ ergeben – zusammen mit den neuen Untersuchungsmetoden – ein weit detaillierteres Bild der normalerweise nicht aufgeschlossenen Beckentone.

Abschließend teilte Prof. Dr. Gernot Arp mit, dass in absehbarer Zeit die heute vorgestellten neuen Erkenntnisse in einer wissenschaftlichen Publikation publiziert werden.

Foto: gefüllte Kernkisten der Forschungsbohrung Erbisberg (2011) von Bohrmeter 56 bis 65 (Endteufe)


Der stark besuchte Vortrag selbst fand auf Initiative des Vereins Freunde des RiesKraterMuseums e.V. (FRKM) im RiesKraterMuseum statt. Dank der freundlichen Mithilfe der Mitarbeiter des Museums wurde es ein rundum schöner und gelungener Abend für die Riesforschung.


Für die Einleitung (Prolog) zitierte Literatur:
Schäfer, E. (1834): Kurzgefaβte Beschreibung von Harburg im Ries. 153 Seiten, Druck und Verlag der C. H. Beck'schen Buchhandlung, Nördlingen.
Weng und Guth (1837): Das Ries, wie es war, und wie es ist. Heft 5, 79 Seiten, Druck und Verlag der C. H. Beck'schen Buchhandlung, Nördlingen.

Foto: Rammkernsondierung in die Ablagerungen des Ries-Sees im Bereich des Zentralkraters (Beprobung d. Mitarbeiter des LfU, 2015)



Zu dem Vortrag "Der Ries-See: neueste Forschungsergebnisse" (14.12.2017) im RiesKraterMuseum (RKM) in Nördlingen wurde in den Rieser Nachrichten ein Zeitungsbericht gedruckt, welcher online hier abrufbar ist.






Foto: Zeitungsbericht der Rieser Nachrichten vom 20. Dezember 2017 (Nr. 292), Seite 31

Beitragsarchiv

Events 2017



Abbildung: Der aus Suevit-Gestein gehauene Narr an der Rathaustreppe von Nördlingen. Die unter dem Relief befindliche Inschrift "Nun sind unser zwey" zielt darauf ab, dass der Betrachter nun ebenfalls ein Narr ist, genau wie Generationen von Forschern, welche den Suevit genau betrachtet und untersucht hatten und trotzdem von der wahren Natur des Suevites genarrt wurden.

Foto-Radierung von Angelika Thomas, Augsburg (2013)


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